Werner Schroeter

Das magische Auge

Werner Schroeter Film-, Theater- und Opernregisseur
in einem Gespräch zu Lilly Grotes Lichtkästen

Lilly Grotes Lichtkästen erinnern mich an die magischen Augen in alten UKW Radios. 
Das Magische Auge voll von Geheimnissen. In den Boxen ist eine geheime Welt. 
Aspekte von verlorenen Planeten, die man auch in sich selber finden kann.

Das Auge aus dem Kasten. Mein Auge, was es anschaut und dieses Auge, was zurück schaut. Das setzt die Phantasie in Bewegung und lässt die verschiedensten Figurenformationen sich vorm inneren Auge bewegen und tanzen.

Erst die Stille im magischen Auge, der Sender ist da...es ist Stille. So wie ich zum ersten Mal auf Deinen Kasten gucke. Es ist in mir still und dann fange ich an, das aufzunehmen. Das Auge schaut zurück und es gibt ein permanentes Augenzwinkern zwischen dem Kastenauge und meinem. Erst ist es still und dann fängt es an zu sprechen. Das Gespräch, eine Kommunikation ohne Worte. Das ist wirklich sehr schön.
Aber das ist eine Hieroglyphensprache, eine Geheimnissprache, 
die keiner Erklärung bedarf, denn jede Erklärung wird sie kaputt machen.

Dieser breite Bereich wird unglaublich fruchtbar beschritten und das mag ich sehr. Das ist eine ganz eigene Form. 
Das bewegt sich zwischen fassbarem Leben und Abstraktion.

Das ist das Dreidimensionale, das ist halt ein Raum. Das ist kein planes Bild, was spricht. Insofern ähnelt es dem Auge, weil es die verschiedenen Dimensionen hat. Die Tiefe und die Plastik. Viel dimensional und das Geheimnis liegt in einer fünften, sechsten, siebten Dimension und die würde ich immer nicht antasten. Das ist das Wesen der künstlerischen Realität, der künstlerischen Wirklichkeit. Jede Erklärung zerstört die Intension.

Es ist kreative Gedankenträumerei. Das ist ein wesentlicher Punkt der Attraktion dieser Arbeiten. Die Tiefe, die sie haben, schützt sie auch vorm Kunstgewerbe. Das Handwerkliche überwiegt nicht, sondern es setzt sich stattdessen in Balance mit Gedanken und Schöpferkraft.

Es ist dem Zuschauer überlassen, dass er sich darauf einlässt, darin spazieren geht mit seinem Auge und sich dann freut, das er etwas Schönes gesehen hat, was ihn weiter bringt in seinem Assoziationsmöglichkeiten. Heutzutage ist Assoziation ein ganz wichtiger Begriff, weil es ist Sinnlichkeit und Seele und Verstand. Das assoziative Denken, Handeln, Fühlen ist ein Riesenspektrum von Möglichkeiten, diese tausenden Möglichkeiten des Aufnehmens, dass man sich das gestatten sollte, des für sich Zusammensetzens aus dem Kunstwerk des anderen. Eigenes in seinen Schädel und in seinem Herzen bewegen und entstehen lassen. Dazu sind diese Boxen fast meditativ geeignet.
 

Werner Schroeter, September 2009
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